(nach Abhandlungen von Dr. habil.
Karl Dinklage aus den Jahren 1950 und 1982: „Geschichte der Firma Sebastian
Stroh und ihrer Liegenschaften“)

Der früheste anschauliche Beleg für eine Behausung in der heutigen
Karfreitstraße 6 ist ein Kupferstich von Urban Baumgartner aus dem Jahre
1605. Von diesem lässt sich auch
entnehmen, dass schräg gegenüber dem Haus Karfreitstraße 6 an der Kreuzung mit
der 8.-Mai-Straße ein öffentlicher Ziehbrunnen stand.
Schriftliche Quellen lassen erkennen, dass der landschaftliche Beamte Herr
Andreas Kranperger (er stammte aus einer bürgerliche Familie in St. Andrä im
Lavanttal) das Haus in der Karfreitstraße 6 im Jahre 1674 aus bürgerlicher Hand
erworben hatte.
Als weitere erhaltene Quelle lässt sich ein Kupferstich des Freiherrn von
Valvasor in seiner 1688 erschienenen Beschreibung des Herzogtums Kärnten
nennen. Das Haus hebt sich – gemeinsam mit dem Haus Nummer 8 – als
zweistöckiges Gebäude klar aus dem Stadtbild hervor.
Anzumerken ist hier, dass das Haus Nummer 6 zu der damaligen Zeit noch
nicht mit dem Verlängerungstrakt nach Westen in der 8.-Mai-Straße versehen war,
sondern an dessen Stelle ein Hof oder Garten an die östliche Seite des heutigen
Gebäudes in der 10.-Oktoberstraße 3 anschloss.
Im Herbst 1695 ging das Haus von der Familie Kranperger in den gräflich
Dietrichstein’schen Besitz über. Die noch heute über dem Eingangstor
befindliche Jahreszahl 1696 zeugt von diesem Besitzübergang und den damit
verbundenen Um- und Neubauten des Hauses. Als Erwerber und Errichter des
Neubaus in der Karfreitstraße 6 kommt Franz Anton Graf von Dietrichstein in
Frage.
Nach seinem Tode infolge einer Schusswunde als k.k. Generalmajor am
12.2.1702 dürfte seine kinderlose Ehefrau Dorothea Gräfin von Dietrichstein
(geb. Freiin von Wlaschin)
Besitzerin des Hauses gewesen sein.
Dem Grafengeschlecht ist auch das bis 1963 erhaltene Aussehen der
Vorderfront des Hauses zu verdanken.
Es ist nicht deutlich ersichtlich, ob Graf Siegmund Dietrich von
Khevenhüller nach der Gräfin von Dietrichstein eine Zeitlang in der
Karfreitstraße 6 wohnte oder nur die Funktion eines Kurators innehatte,
jedenfalls scheint sein Name im Kaufvertrag mit Herrn Johann von Schluga vom
7.2.1713 auf.
Johann Schluga – dessen Vater, Mathias Schluga, mit einem florierenden
Tuch- und Kleiderhandel in der Kramergasse in Klagenfurt seinem Sohn viel Geld
vermachen konnte – wurde am 14.9.1715 von Kaiser Karl VI. der erbliche Adel
verliehen
Seiner zweiten Ehefrau, Johanna Franziska von Fröhauf, zu Ehren ließ Johann
von Schluga den Zwischenraum zwischen der Karfreitstraße 6 und der 10.-Oktober-Straße
durch einen Zubau schließen. In der Verlängerung des Hauses dehnte sich entlang
der 8.Mai-Straße der Hausgarten aus. Dieser wurde von Johann von Schluga
straßenseitlich (= nördlich) mit einem neuen Wohnhaus verbaut.
Frau Johanna Franziska von Schluga starb am 17.12.1732 und ihr Ehemann
Johann von Schluga folgte ihr am 16.2.1735. Das Haus in der Karfreitstraße (=
damalige Jesuitergasse) Nummer 6 erbte nun Anton von Schluga, der Sohn von
Johanns Bruder Anton.
Dieser starb am 23.5.1739 in jungen Jahren und vermachte die Karfreitstraße
6 seiner Mutter, Frau Ursula Edler von Schluga (geb. Lilg).
Mit der Zustimmung von Ursula Edler von Schluga brachte Anton Edler von
Schluga das Haus per Ehevertrag vom 12.8.1739 als Mitgift in die Ehe seiner
Tochter Maria Anna mit Dr. jur. Josef Georg von Paßberg ein.
Zur Zeit des Umzuges hatte das Ehepaar von Paßberg bereits zwei Töchter,
doch wurde 1744 im neuen Haus der lang ersehnte Stammhalter und
Besitznachfolger Paul Alexander geboren. Ihm folgte eine weitere Tochter.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts befahl die damalige Kaiserin Maria
Theresia, alle Liegenschaften in Österreich genau aufzunehmen. In dem
offziellen Schriftstück von 1751 heißt es, dass die von Paßbergs ein
„Offiziershaus“ innehaben, das mit zwei Stockwerken, acht Zimmern, zwei
Kammern, zwei Speisgewölben, zwei Küchen, einem Dachboden und einem Keller
ausgestattet war. Untermieter wohnten zu dieser Zeit keine im Haus.
Maria Anna von Paßberg starb im Herbst 1759. 1765, sechs Jahre nach ihrem
Tod, heiratete Josef Georg von Paßberg Frau Maria Aloisia Felizitas Edle von
Erler, aber schon im April 1766 schied auch er dahin.
Der einzige Sohn und Haupterbe des von Paßberg’schen Vermögens, Paul
Alexander, war zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters noch minderjährig und
wurde von Herrn Franz Xaver Edler von Schluga und dem Advokaten Dr. Franz Edler
von Pirkenau vertreten, da ihm eine seiner Schwestern und Miterbinnen das Haus
in der Karfreitstraße 6 sowie die Güter Stadelhof und St. Peter am Wallersberg
streitig machen wollten.
In einem Vergleich vom 29.12.1772 wurde beschlossen, dass Paul Alexander
von der älteren Schwester, Maria Ursula von Aineth, und deren Ehemann die
gemeinsame Behausung in der Getreidegasse erwerben sollte, um die Schulden
abzubezahlen und allfällige Renovierungskosten zu übernehmen. Die von Aineths
sollten das Haus in der Getreidegasse bewohnen und auch an andere gegen Zins
vermieten können.
Obwohl in diesem Vergleich den von Aineths lebenslanges Wohnrecht in der
Getreidegasse eingeräumt wurde, kam es am 27.8.1774 zu einem neuerlichen
Übereinkommen zwischen Paul Alexander von Paßberg und der Familie von Aineth.
Herr und Frau von Aineth sollten in die Wohnung im vorderen Teil des oberen
Stocks der Karfreitstraße 6 ziehen, bekamen aber auch den dazugehörigen Keller
und das größere Gewölbe samt Garten und Holzplatz dazu. Zusätzlich waren Herr
und Frau Aineth berechtigt, auch in der neuen Behausung nach Gefallen
unterzuvermieten.
Kurz darauf, mit nur 30 Jahren, starb Paul Alexander von Paßberg im Herbst
1774 kinderlos. Die Erbinnen von Paul Alexander von Paßberg waren seine drei
Schwestern. Diese veräußerten den ganzen Besitz ihres Bruders.
Um ca. 1777 dürfte die Karfreitstraße 6 in den Besitz von Paul Anton von
Dreer zu Thurnhub übergegangen sein. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass ihn
seine aus sehr reichem Elterhaus stammende Frau Ursula (geb. von Fresacher)
beim Kauf unterstützt hat.
Kurz nach dem Umzug in die Karfreitstrasse 6 erfolgte die Verbauung des
südwestlichen Teil des Hausgartens. Anstelle der einfachen Gartenmauer gegen
Westen hin wurde für die Hauserweiterung eine feste Feuermauer errichtet.
Am 25.6.1809 starb Paul Anton von Dreer zu Thurnhub in seinem Haus in der
Viktringergasse 456 – wie die Karfreitstraße damals hieß.
Das Haus wurde laut Verlaßabhandlung an seine Witwe Ursula übergeben. Aus
dieser Zeit, als Frau Ursula von Dreer Besitzerin der Karfreitstraße 6 war,
stammt auch ein Häuserverzeichnis aus dem Jahre 1817, das nicht nur die
Eigentümer, sondern auch die Mietparteien und deren Mietzins anführte. Daraus
ist ersichtlich, dass zu diesem Zeitpunkt eine Frau Dofan in zwei Zimmern mit
Küche im Erdgeschoß wohnte, ebenfalls in zwei Zimmern mit Küche wohnte ein Herr
Fimar und eine Frau Domantscher bewohnte ein Zimmer mit Küche.
Den ersten Stock des Hauses bewohnte Ursula von Dreer selbst und hatte fünf
Zimmer und eine Küche inne. Außerdem befanden sich im ersten Stock zwei Zimmer
die als Offiziersquartier dienten und ein Zimmer für den Pfleger der Herrschaft
Gradisch. Die Stallungen des Hauses hatte Herr Durst inne.
Acht Jahre nach ihrem Ehemann starb auch Ursula von Dreer. Man kann heute
noch ihren Grabstein an der Außermauer des Maria Saaler Domes rechts vom
Eingang sehen.
Da eine gemeinsame Verwaltung und Verwendung des Hauses wenig Sinn gehabt
hätte, beschlossen sich die vier Erben, das Haus zu verkaufen und den Erlös zu
teilen.
Am 2.9.1819 wurde die Karfreitstraße 6 an Herrn Johann Anton Fabris, dem
Rentmeister des Bistums Lavant in St. Andrä, verkauft. Dieser war aber schon
zum Zeitpunkt des Erwerbs ein betagter und kränklicher Mann und starb 1826.
Johann Anton Fabris hatte in seinem Haus in Klagenfurt nur ein Zimmer und
vermietete alles Übrige, da er selbst in St. Andrä wohnte.
Das Haus Karfreitstraße 6 ging nun an den Universalerben Anton Friedrich
Ignaz Fabris bzw. seinen Vormund Herrn Appelationsrat Jakob Georg Pasch über.
Dieser war um die gute Erziehung seines Mündels ebenso bemüht wie um
Instandhaltung des Hauses. Nicht nur ist aus einem Katasterplan des Jahres 1827
zu entnehmen, dass das Haus schon seine heutige Grundfläche hatte, es wurde
auch vermerkt, dass im Jahre 1833 einige wenige Häuser – darunter auch die
Karfreitstraße 6 – mit Ziegeln eingedeckt wurde, um zur Vermehrung der
Feuersicherheit beizutragen.
Am 17.10.1738 war die Umschreibungsbefugnis für das Haus Kaserngasse 204 –
wie das Haus in der Karfreitstraße 6 zu dieser Zeit hieß – an den nun
großjährigen Anton Fabris erteilt wurde.
Auch Anton Fabris der Jüngere wurde nicht alt. Er starb mit 42 Jahren am
3.11.1853 in seinem Haus in der damaligen Kaserngasse 204. Aus seiner Ehe mit
Luise (geb. Edle von Illitzstein) hinterließ er eine 13-jährige Tochter.
Mitvormund für die kleine Friederike wurde neben der Mutter der k.k.
pensionierte Kammeralverwalter Moritz Werzer.
Der Besitz des Hauses in der Karfreitraße 6 ermöglichte es der jungen
Friederike Fabris einen Offizier der k.k. Armee, Hauptmann Franz Koch von
Langentreu, zu heiraten – da es nur so möglich war, die damals sehr hohe
Heiratskaution dem k.k. Kriegsministerium sicherzustellen.
Im Jahre 1856 wurden am Haus laut städtischen Bauakten Umbauarbeiten durchgeführt und mit Bewilligung vom 2.7.1880 konnte Frau Friederike Koch Edle von Langentreu einen Wasserabzugskanal in den städtischen Hauptkanal führen.
Am 23.4.1892 verkaufte Frau Friederike Koch von Langentreu das Haus in der Kaserngasse 6 an den Likörfabrikanten Hans Maurer.